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Lausitzer Rundschau - 24.11.2007
Bernd Mergner und Frau Rosemarie zeigen Individualtouristen das Leben in Südamerika
Von Rietschen auf den Rancho in Paraguay
«Herzliche Grüße aus Paraguay an alle, die mich noch kennen» , schrieb Bernd Mergner, ein ehemaliger Rietschener, am 10. Juni 2007 in das Gästebuch der Homepage der Gemeinde. Wer ist dieser Bernd Mergner, was macht er in diesem südamerikanischen Land? Über seine Internetseite www.paraguay-erleben.com nahm die RUNDSCHAU Kontakt mit ihm und seiner Frau auf und erfuhr eine interessante Geschichte.
Bernd Mergner (rechts) mit seinem Freund Jens Mauersberger aus dem sächsischen Freital vor den berühmten Iquazu-Wasserfällen im Dreiländereck Paraguay, Brasilien und Argentinien. Die Familie Mauersberger hat schon zweimat Urlaub auf dem Rancho der Mergners gemacht, ein dritter ist geplant. Rietschener, die Bernd Mergner noch von früher her kennen, würden nicht glauben, wenn sie ihn heute sehen, dass das noch der Bernd Mergner ist, der 1966 nach Rietschen kam und dort 20 Jahre lebte. Beispielsweise, wie der 1952 in Meißen Geborene mit Rindern und Pferden umgeht, hoch zu Ross mit Urlaubern durch den Busch reitet, Bananen, Papayas oder andere exotische Früchte im eigenen Garten erntet.
«Ein unglaubliches Land»
Bernd Mergner hat sich mit seiner Frau Rosemarie in Südamerika, in Paraguay, niedergelassen. Dort betreiben sie einen Rancho – Bauernhof – mit einem kleinen Tourismusbetrieb. «Paraguay ist ein unglaubliches Land. Wir haben hier an Lebensqualität sehr dazu gewonnen. Man kann hier wieder leben. Es ist sehr schwer, das zu erklären. Wissen Sie, man lebt wieder freier, der Kopf wird frei. Und es sind die kleinen Sachen, die das Leben wieder lebenswerter machen. Wenn wir Gäste aus Deutschland haben und sie von sich erzählen, staunen wir schon oft darüber. Manche kommen uns vor wie eine Maus im Laufrad. Sie haben keine Chance mehr, zu leben. Wir meinen, viele haben das schon verlernt. Das Leben ist etwas anderes als auf Schnäppchenjagd zu gehen, sich mit den Behörden zu beschäftigen, dem Finanzamt, dem Arbeitsamt und was es sonst noch alles gibt» , gestehen die Mergners in ihrer E-Mail an die RUNDSCHAU. 1999 seien sie das erste Mal in Südamerika gewesen, waren bei Deutschen in Brasilien zu Gast. Dort hätten sie «Blut geleckt» , wie sie sagen. Südamerika habe sie nicht mehr losgelassen. «Nun begannen wir, gezielt zu suchen. Brasilien hat uns gefallen, aber die Einwanderung ist nicht ganz so einfach. Da ich im Reisebüro gearbeitet habe, kamen wir irgendwann auf Paraguay. 2001 sind wir das erste Mal dort gewesen, nur, um mal zu schauen, was das für ein Land ist. Wir waren begeistert. So sind wir dann hier ,hängen geblieben’. Und nach Brasilien ist es jetzt ja auch nicht weit» , erläutert Rosemarie Mergner die Vorgeschichte ihrer Auswanderung. Der Tag für Bernd und Rosemarie Mergner beginnt um 7 Uhr. Dann führt sie ihr erster Gang mit den Hunden – Charly, dem Schäferhund-Mix, und Leo, einem Kanadisch-Schweizer Schäferhund, beide haben die Mergners aus Deutschland mitgebracht – sowie den beiden paraguayischen Hündinnen an den Bach.
23,5 Hektar großer Bauernhof
Dieser bildet die südliche Grundstücksgrenze des 23,5 Hektar großen Rancho oder Bauernhofes des Ehepaars. In normalen Zeiten sei der Bach nicht breiter als drei oder vier Meter, erklärt Rosemarie Mergner. «Man kann ihn dann an bestimmten Stellen gut durchqueren. Wir haben dort ein Tor eingebaut. Die Natur hat an dieser Stelle einen wunderschönen Platz mit Steinen geschaffen. Nach starken Regenfällen kann es passieren, dass unser Bach zu einem reißenden Strom wird. Dann geht nichts mehr. Wir können zu solchen Zeiten nicht einmal das Tor passieren» , fahren Mergners in ihrem Bericht an die RUNDSCHAU fort. Auf dem Rancho im Westteil von Paraguay halten sie zahlreiche Tiere. «Wir haben mit drei Kühen und einem Bullen angefangen. Inzwischen ist unsere kleine Herde auf elf Tiere angewachsen. Wir melken nicht. Es sind ausgesprochene Fleischrinder – zum Eigenbedarf. Das heißt, wir schlachten sie auch. An Pferden haben wir mittlerweile vier Wallache und eine Stute mit Fohlen. Das sind ausgesprochene Arbeitspferde. Sie sind voll ausgebildet und lassen sich sehr gut reiten. Auch für Anfänger ist das kein Problem» , so Rosemarie Mergner.
Auf Bautzener Senf verzichten
Nach ihrer Schilderung sind auch Schweine für den Eigenbedarf auf dem Bauernhof zu finden, ebenso u. a. Hühner, Enten, Gänse. Außerdem würden im Winter in einem kleinen Garten Tomaten, Salat, Gurken, Paprika und anderes angebaut. Auch Bananen, Ananas, Papayas etc. wachsen auf Mergners Rancho. Eigentlich gäbe es nur wenige Dinge, auf die die Auswanderer aus Deutschland verzichten müssten, wie sie erklären. «Spreewälder Gurken, Baut zener Senf, nein, das gibt es hier nicht, aber Alternativen schon» , stellen Bernd Mergner und seine Frau fest, die übrigens das Bier in Paraguay loben, das es in Literflaschen gibt.
Durch den Busch reiten
«Sie sehen also, dass wir uns ein umfangreiches Betätigungsfeld zugelegt haben. Und dann ist da auch noch unser Gästebetrieb. Wir haben uns auf Individualisten eingestellt und möchten den Leuten ein reelles Bild vom Leben hier zeigen. Darum sind wir ganz klein, aber die Individualität ist das Wichtigste für uns. Bisher ist das von unseren Gästen gut angenommen worden» , schildert das Ehepaar. Die Touristen, die auf den Rancho kommen, würden es interessant finden, einfach mal durch den Busch zu reiten oder zu laufen und gezeigt oder erzählt bekommen, wie die Fauna und Flora hier in Paraguay «funktioniert» . Genauso interessiere die Besucher, so hautnah das Leben, den Alltag von Paraguayern, mitzubekommen. «Sie werden feststellen, wie unterschiedlich die Einstellungen zum Leben sind, dass ein Paraguayo andere Maßstäbe ans Leben und seine Qualität setzt wie wir. Und – das ist, was den meisten Gästen sehr positiv auffällt – wie einfach das Leben sein kann» , meinen Mergners. Größtenteils Gäste aus Deutschland – von Usedom bis Konstanz, aus allen Ecken der Republik – bzw. aus dem deutschsprachigen Raum wie aus Österreich und der Schweiz haben die Gastfreundschaft auf dem Bauernhof in dem Dorf in Westparaguay genossen. «Aber wir hatten auch schon Besucher aus Namibia» , fügt Rosemarie Mergner hinzu. In diesem Winter (von Mai bis August) sei die Resonanz sehr verhalten gewesen, wie die Ranchobetreiber erklären. Die neue Saison beginnt nach ihren Angaben wieder im September. «Unsere beste Saison war bisher 2006. Da hatten wir durchschnittlich 3,5 Gäste im Monat. Da kam es schon vor, dass wir manchen Interessenten absagen mussten. Wie gesagt, wir sind klein und sehr individuell, und das möchten wir auch bleiben» , bemerkt Rosemarie Mergner hierzu.
2005 das letzte Mal in Deutschland
Bereut hätten sie es nicht, nach Paraguay gegangen zu sein, wie das Ehepaar betont. «Das Leben ist hier, so empfinden wir es, leichter. Aber natürlich muss man jeden Tag was tun, um hier bleiben zu können. Und daran wollen wir gern jeden Tag arbeiten» , sagen die beiden übereinstimmend. Ob sie wieder mal nach Deutschland kommen werden, will die RUNDSCHAU zum Schluss noch wissen. «Wir waren das letzte Mal 2005 in Deutschland. Da hat unsere große Tochter geheiratet. Wann wieder ein Besuch geplant ist? Vorläufig nicht. Aber wenn, dann würden wir gern auch wieder Weißwasser besuchen» , antworten Bernd und Rosemarie Mergner. Zum Thema Aus dem Leben von Bernd Mergner Bernd Mergner lernte von 1966 bis 1968 im damaligen Feuerfestwerk Wetro in Rietschen, später arbeitete er in der LPG (P) Viereichen/Daubitz und im Autobahnkombinat Dresden. 1986 verließ Bernd Merger nach seiner Scheidung Rietschen und wohnte in Weißwasser. 1987 zog er mit seiner neuen Partnerin nach Güstrow, wo er ein Jahr später seine jetzige Frau Rosemarie heiratete. 2003 wanderten sie nach Paraguay aus. Bernd Mergner hat drei Töchter.
Von Ingolf Tschätsch Presselink
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